„Bereinige das Transkript." So lautete ein Auftrag aus unserer Montagsarbeit, und er klang vollständig. Zurück kam ein glatter, gut lesbarer Text, in dem Stellen ohne gesprochenes Wort wie echte Aussagen aussahen.
Der Zuschnitt der Aufgabe stimmte, wie im Beitrag zum Zuschneiden von Aufgaben für KI-Agenten beschrieben. Es fehlte ein einziges Wort darüber, was der Agent mit unsicheren Stellen tun soll. Nicht der Ausschnitt war falsch, der Satz war unvollständig.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Auftrag wird abgearbeitet, während du etwas anderes tust. Jede Angabe, die fehlt, ergänzt der Agent selbst.
- Eine fehlende Angabe kostet mehr, als der Auftrag spart. Bei uns fehlte der Umgang mit unsicheren Stellen, und das Prüfen dauerte danach etwa einen halben Abend.
- Vier Zeilen tragen einen Auftrag: Ergebnis, Grundlage, Umgang mit Unsicherheit, Erkennungsmerkmal.
- Wie viel du schreibst, hängt an der Wiederholung. Eine einmalige Aufgabe braucht zwei Sätze, eine wöchentliche die vollen vier Zeilen.
Ein Auftrag ist kein Gespräch
Einen Prompt schreiben heißt im Chat etwas anderes als bei einem Agenten, der die Aufgabe allein zu Ende bringt. Wir haben die fünf deutschsprachigen Ratgeber gelesen, die zum Suchbegriff „prompt schreiben" oben stehen [1][2][3][4][5]. Bei einer davon ließ sich der Artikeltext später nicht mehr abrufen, sie bleibt deshalb aus allen Zählungen heraus [5]. Keiner der vier übrigen trennt die beiden Fälle [1][2][3][4].
Der Unterschied entscheidet aber darüber, wie viel im Text stehen muss. Im Chat darf deine Frage lückenhaft bleiben, weil die nächste Nachricht die Lücke schließt. Ein Auftrag läuft, während du an etwas anderem sitzt, und du siehst das Ergebnis erst, wenn es fertig ist.
Jede Stelle, an der du im Chat nachfragen würdest, muss im Auftrag also schon beantwortet sein. Was dort offen bleibt, beantwortet der Agent, und er tut es in der Regel plausibel und unsichtbar.

Was passiert, wenn eine Angabe fehlt
Fehlt eine Angabe, entscheidet der Agent selbst, und das Ergebnis sieht danach so aus, als hätte es keine Zweifel gegeben. Beim Transkript traf das drei Fälle mit unterschiedlicher Sicherheit [7]. Ein klarer Hörfehler ließ sich belegen. Ein zweites Wort war eine begründete Vermutung. Eine dritte Passage bestand aus zusammenhanglosen Wortfetzen und war ein Artefakt der Aufnahme.
Alle drei kamen als flüssiger Satz zurück. Am fertigen Text war nicht mehr zu erkennen, welcher Satz auf welchem der drei Fälle beruhte, und für die Nachkontrolle ging ein halber Abend drauf, weil dafür die Aufnahme noch einmal laufen musste.
Der reparierte Auftrag war nur einen Satz länger. Er verlangte, unklare Stellen mit Zeitstempel in einer eigenen Liste zu sammeln und im Text unangetastet zu lassen. Seitdem dauert das Prüfen wenige Minuten, weil du nur noch diese Liste liest.
Montags im Camp
Wenn du das an einer echten Aufgabe ausprobieren willst
Im Social Impact Camp arbeiten wir jeden Montagabend an gemeinnützigen Vorhaben, und das Formulieren von Aufträgen gehört zum Handwerk. Du kannst dazukommen, ohne Vorerfahrung und ohne Kosten.
Beim Camp mitmachenDie Angaben, die den Auftrag tragen
Vier Angaben reichen für einen Auftrag, den du nicht begleiten musst. Sie stehen hier als Zeilen und nicht als Abkürzung, weil du sie beim Schreiben der Reihe nach abarbeiten kannst.
- Was am Ende dasteht: in einem Satz und als Sache, also „eine Liste der Korrekturen mit Begründung" und nicht „das Transkript verbessern".
- Woraus gearbeitet wird: die Quelle beim Namen genannt, dazu was ausdrücklich nicht dazugehört.
- Was bei Unsicherheit passiert: markieren, nachfragen oder auslassen, eine der drei Möglichkeiten wählst du.
- Woran du erledigt erkennst: ein Merkmal, das du in Minuten prüfen kannst.
Vier sind es, weil die anderen Bausteine entweder in diesen vier stecken oder für eine einzelne Aufgabe keinen Unterschied machen. Der Aufgabenbrief mit sieben Feldern auf quandes.com ordnet die Verantwortung für einen Agenten, der dauerhaft läuft [6]. Wer diese Felder braucht, findet sie dort. Die vier abgerufenen Ratgeber kommen auf vier bis neun Bausteine und benennen dabei durchgehend dieselben zwei Dinge, nämlich Ziel und Kontext [1][2][3][4].
Die vierte Zeile fanden wir in keinem dieser Texte, die dritte in genau einem, und dort ohne Angabe, was der Agent bei einer Wissenslücke tun soll [1]. Beide entscheiden darüber, ob du das Ergebnis annehmen kannst, ohne die Arbeit selbst nachzuvollziehen.

So viel Auftrag braucht die Aufgabe
Wie viel du schreiben musst, hängt daran, wie oft die Aufgabe wiederkommt. Eine einmalige Aufgabe, bei der du danebensitzt und das Ergebnis sofort ansiehst, trägt zwei Sätze. Ein Auftrag, der jede Woche ohne dich läuft, braucht die vollen vier Zeilen, weil du ihn beim zehnten Mal nicht mehr liest.
| Aufgabe | Was hineingehört | Warum |
|---|---|---|
einmalig, du siehst zu | Ergebnis, Grundlage | du bemerkst Fehler sofort |
einmalig, läuft ohne dich | die vier Zeilen | eine Nachfrage kommt zu spät |
wiederkehrend | die vier Zeilen, schriftlich abgelegt | die Formulierung überlebt dein Gedächtnis |
regelmäßig, in gleicher Form | die vier Zeilen als Skill | du rufst den Auftrag beim Namen auf, statt ihn zu suchen |
Beim Transkript ist der Auftrag auf diesem Weg in eine feste Form gewachsen. Die Nachbearbeitung liefert seitdem für jede Sitzung dieselben drei Ergebnisse, nämlich die Korrekturen mit Begründung, die offenen Rückfragen und die unveränderte Rohfassung [7].
Der Text dafür ist einmal geschrieben worden und wird seitdem gelesen, ohne neu formuliert zu werden. Die Nachkontrolle wäre bei jeder Aufnahme wieder angefallen.
Ab der Stelle, an der du denselben Auftrag zum wiederholten Mal heraussuchst und in ein Fenster kopierst, lohnt sich der nächste Schritt: ihn als Skill auszuarbeiten. Ein Skill ist eine benannte Arbeitsanweisung, die dauerhaft abgelegt ist und die der Agent zu genau dieser Aufgabe heranzieht — mit dem Ablauf, den Beispielen und den Stellen, an denen er nachfragen soll. Du rufst ihn beim Namen auf, und die vier Zeilen stehen bereits darin.
Der Gewinn ist dabei weniger die gesparte Tipparbeit als die gleichbleibende Form: Jeder Durchlauf startet vom selben Text, und eine Verbesserung, die du einmal einträgst, gilt ab dem nächsten Mal für alle weiteren Durchläufe.
Was du weglassen kannst
Höflichkeit, Rollenzuweisung und Lob ändern an einem Arbeitsauftrag wenig, was du am Ergebnis messen könntest. Der Rollen-Prompt in der Form „Agiere als erfahrener Projektmanager" steht in allen vier abgerufenen Ratgebern [1][2][3][4]. Für eine Aufgabe mit klar benanntem Ergebnis ist er entbehrlich, weil das Ergebnis die Arbeitsweise bereits festlegt.
Auch längere Erklärungen zum Hintergrund kannst du kürzen. Gebraucht wird der Kontext, ohne den geraten werden müsste, und darüber hinaus wächst nur der Text.
Diese vier Zeilen stammen aus unserer eigenen Arbeit, und die hat einen begrenzten Zuschnitt. Wir schreiben im Camp Text-, Transkript- und Recherche-Aufträge auf Deutsch. Aufträge, bei denen ein Agent in fremden Systemen schreiben darf, mehrstufige Ketten und Aufträge in anderen Sprachen haben wir so nicht geprüft.

Die vierte Zeile deines Auftrags legt fest, woran du erledigt erkennst. Wie du das Ergebnis dann durchgehst und welche Fehlerarten sich hinter einem glatten Text verstecken, ist ein eigenes Thema mit eigenen Handgriffen.
Quandes Projects e. V.
Wenn du wissen willst, woran wir gerade arbeiten
Das Social Impact Camp ist ein offenes, kostenloses Format von Quandes Projects e. V. Auf der Camp-Seite steht, was montags passiert und wie ein Abend abläuft.
Das Camp ansehenHäufige Fragen
Häufige Fragen zum Formulieren von Aufträgen
Wie lang muss ein Prompt sein?
Das entscheidet die Wiederholung und keine Regel. Solange du zusiehst und sofort eingreifen kannst, genügen zwei Sätze. Sobald die Aufgabe ohne dich zu Ende läuft, brauchst du alle vier Angaben zu Ergebnis, Grundlage, Umgang mit Unsicherheit und Erkennungsmerkmal, weil eine Nachfrage dann zu spät kommt.
Bringen Rollenzuweisungen wie „Du bist ein erfahrener Redakteur" etwas?
Bei einer Aufgabe mit klar benanntem Ergebnis kaum, weil das Ergebnis die Arbeitsweise schon festlegt. Nützlich bleibt eine Rollenangabe dort, wo du eine bestimmte Sprachebene willst und sie schwer beschreiben kannst, etwa bei einem Text für Jugendliche.
Muss ich höflich formulieren?
Nein. Bitte und Danke ändern am Ergebnis nichts, das du messen könntest. Schreib so, wie du eine Aufgabe an einen Menschen übergeben würdest, dem du nicht über die Schulter schaust.
Was mache ich, wenn das Ergebnis fast stimmt?
Sieh zuerst nach, welche der vier Angaben im Auftrag gefehlt hat. Bei uns war es die zum Umgang mit unsicheren Stellen. Ergänze sie und lass den Auftrag erneut laufen, statt das Ergebnis von Hand zu reparieren. Worauf du im Ergebnis systematisch schaust, ist ein eigenes Thema für sich.
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