Jemand im Camp probiert ein neues Open-Source-Werkzeug aus, findet es gut und teilt den Link im Chat. Bevor daraus eine Radar-Ausgabe wird, muss diese Begeisterung durch ein festes Raster laufen — dieselben Fragen, in derselben Reihenfolge, für jedes Werkzeug.
Das Wichtigste in Kürze
- Zwei K.O.-Kriterien laufen zuerst. Lizenz und Kosten entscheiden, bevor überhaupt Punkte vergeben werden.
- Drei gewichtete Kriterien ergeben eine Punktesumme. Aktivität, Dokumentation und Datenschutz zählen je bis zu zwei Punkte.
- Ab vier von sechs Punkten kommt ein Werkzeug in die engere Auswahl. Darunter bleibt es beobachtet, aber nicht empfohlen.
- Ein gutes Werkzeug kann trotzdem scheitern. Ein K.O.-Kriterium sperrt die Empfehlung unabhängig vom Rest.
- Das Raster trägt eine Versionsnummer. Änderungen stehen offen, ältere Einordnungen bleiben nachvollziehbar. Stand 28.08.2026.
Warum ein Werkzeug nicht einfach gut sein darf
Begeisterung ist keine Vergleichsgrundlage. Wenn eine Person ein Werkzeug mag und eine andere dasselbe Werkzeug prüft, kommen ohne festen Maßstab zwei verschiedene Einschätzungen heraus, und niemand kann sagen, woran das lag. Für eine monatliche Rubrik mit wechselnden Beitragenden ist das ein Problem: Ausgabe drei müsste an denselben Fragen gemessen sein wie Ausgabe eins, sonst wird aus dem Radar eine Sammlung von Einzelmeinungen.
Deshalb misst unser Raster an fünf festen Fragen statt an Bauchgefühl. Zum Vergleich: Das CHAOSS-Projekt der Linux Foundation führt für professionelle Entwicklerteams mehr als 80 Metriken zur Gesundheit von Open-Source-Communitys.[1] Für ein Team mit ein bis vier Stunden pro Woche wäre das zu viel — unser Raster übernimmt die Grundidee in kleinerem Maßstab.
Ein Raster schützt uns davor, ein Werkzeug zu empfehlen, nur weil es gerade begeistert.
Die zwei K.O.-Kriterien zuerst
Zwei Fragen entscheiden, bevor überhaupt eine Punktzahl vergeben wird. Fällt eine davon negativ aus, ist die Prüfung beendet.
Lizenz. Die Software steht unter einer von der Open Source Initiative anerkannten Lizenz, zum Beispiel MIT, Apache 2.0 oder GPL.
Kosten. Das Werkzeug lässt sich ohne Pflicht-Abo nutzen, entweder selbst gehostet oder dauerhaft kostenfrei.
Ein reales Beispiel zeigt, wie hart dieses Kriterium greift. Der Automatisierungsbaukasten n8n lässt sich selbst hosten und intern kostenfrei einsetzen, steht aber unter der „Sustainable Use License" und gilt deshalb nach eigener Aussage nicht als Open Source im Sinn der Open Source Initiative, weil die Lizenz die Nutzung einschränkt.[2] Für unser Raster reicht das für ein K.O.: So brauchbar n8n im Alltag sein mag, es kommt nicht als Open-Source-Empfehlung in den Radar. Beide K.O.-Kriterien gemeinsam sorgen dafür, dass wir kein Werkzeug empfehlen, das ein Camp-Team später an Lizenz- oder Kostenfragen aufhält.
Die drei gewichteten Kriterien
Erst nach den K.O.-Kriterien folgen drei Fragen, die jeweils null bis zwei Punkte bringen.

Aktivität und Wartung. Erscheinen regelmäßig neue Versionen, oder ist das letzte Update Jahre her? Ein verwaistes Projekt bringt ein Camp-Team in eine Sackgasse, sobald ein Fehler auftaucht, den niemand mehr behebt.
Dokumentation für Ehrenamtliche. Reicht die Anleitung, um ohne IT-Hintergrund selbstständig loszulegen, oder setzt sie Fachwissen voraus, das im Camp fehlt?
Datenschutz und Selbsthosting. Lassen sich Daten auf einem eigenen Server halten, oder verlangt das Werkzeug den Umweg über einen fremden Cloud-Dienst?
Alle drei Fragen zusammen ergeben eine Summe von null bis sechs Punkten, die über die Aufnahme in die engere Auswahl entscheidet.
Montags im Camp
Wenn du ein Werkzeug fürs Camp einbringen willst
Im Social Impact Camp arbeiten wir jeden Montagabend an gemeinnützigen Vorhaben und prüfen dort auch neue Werkzeuge gemeinsam. Du kannst dazukommen, auch mit einem Vorschlag im Gepäck.
Beim Camp mitmachenEin Beispiel: wie die Punkte zusammenkommen
Angenommen, ein Werkzeug hat die beiden K.O.-Kriterien bestanden. Bei Aktivität erreicht es 100 Prozent der möglichen Punkte, weil in den letzten 6 Monaten mehrere Versionen erschienen sind. Die Dokumentation bringt nur 50 Prozent. Der Grund: Eine Anleitung existiert, setzt aber Fachbegriffe ohne Erklärung voraus. Beim Datenschutz stehen wieder 100 Prozent, weil sich das Werkzeug vollständig auf einem eigenen Server betreiben lässt. In Summe ergibt das rund 83 Prozent der Gesamtpunktzahl und liegt damit über der Schwelle für die engere Auswahl.
Fehlt dagegen ein einziger K.O.-Punkt, wie im Beispiel n8n, wird diese Rechnung gar nicht erst aufgemacht. Die Summe zählt nur, wenn die Vorprüfung bestanden ist.
Warum das Raster eine Versionsnummer trägt
Ein Kriterium kann sich als zu streng oder zu lasch herausstellen, sobald es an echten Werkzeugen geprüft wird. Deshalb trägt das Raster von Anfang an eine Versionsnummer, aktuell 1.0. Ändert sich ein Kriterium oder seine Punktzahl, dokumentieren wir das offen mit Datum und Begründung, und jede bereits veröffentlichte Einordnung bleibt mit der Rasterversion stehen, unter der sie entstanden ist. So verschwindet keine alte Bewertung stillschweigend, nur weil das Raster gewachsen ist.
Vergleichsportale zeigen meist eine Momentaufnahme ohne diese Geschichte. Für eine Rubrik, die über Monate dieselben Fragen stellen will, ist die Versionsnummer kein Verwaltungsdetail, sondern die Voraussetzung dafür, dass ein Vergleich über die Zeit überhaupt etwas aussagt.
Quandes Projects e. V.
Wenn du wissen willst, woran wir gerade arbeiten
Das Social Impact Camp ist ein offenes, kostenloses Format von Quandes Projects e. V. Auf der Camp-Seite steht, was montags passiert und wie ein Abend abläuft.
Das Camp ansehenHäufige Fragen
Häufige Fragen zum Bewertungsraster
Was passiert, wenn ein Werkzeug an einem K.O.-Kriterium scheitert?
Es kommt nicht in den Radar, unabhängig davon, wie gut die restlichen Eigenschaften sind. Lizenz und Kosten entscheiden vorab, eine Punktzahl bekommen sie nicht.
Wie oft ändert sich das Raster?
Nur, wenn ein Kriterium sich in der Praxis als zu streng, zu lasch oder unklar erweist. Jede Änderung bekommt eine neue Versionsnummer und ein Datum.
Zählt eine deutschsprachige Community als Kriterium?
Nein, nicht in Version 1.0. Sie kann als Zusatzinformation in einer Ausgabe erwähnt werden, fließt aber nicht in die Punktesumme ein.
Wird jedes Werkzeug öffentlich bewertet, auch wenn es schlecht abschneidet?
Ja. Eine Einordnung mit niedriger Punktzahl oder einem K.O. ist genauso Teil des Radars wie eine mit hoher Punktzahl, weil sie zeigt, woran es lag.

